316. Gemeindebrief zum 30. August 2026

Bild: Winfried Hollmann, in: Pfarrbriefservice.de

Du hast mich betört, o HERR, / und ich ließ mich betören; / du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, / ein jeder verhöhnt mich.
Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, / Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen. Denn das Wort des HERRN bringt mir / den ganzen Tag nur Hohn und Spott.
Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken / und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, / eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, / vermochte es aber nicht. (Jer 29, 7-9)

Liebe Gemeinde,

der Prophet Jeremia, der in der alttestamentlichen Lesung dieses Sonntags zu Wort kommt, hatte es nicht gerade leicht. Die Zeiten sind unruhig, am Übergang vom 7. zum 6. Jahrhundert vor Christus gezeichnet von Krieg, Armut, Ungerechtigkeit, Dürre. Und Jeremias Botschaft ist nicht gerade populär. Heute wäre Jeremia wohl das Ziel zahlloser Hassnachrichten. Er zieht „den ganzen Tag nur Hohn und Spott“ auf sich, so heißt es in dem kurzen, poetischen Text, der vermutlich auf den Propheten selbst zurückgeht. Und es bleibt nicht bei Worten. Kurz vor dieser Textstelle wird davon berichtet, dass ihn ein mächtiger Priester schlagen und „in den Block“ hat spannen lassen – in eine Vorrichtung, in der Hände und Kopf in Löchern schmerzhaft eingekeilt wurden. Und doch hat Jeremia weitergemacht. Warum, frage ich mich? Was hat ihn durchhalten lassen? Und wollte er das überhaupt – durchhalten?

In schwierigen Situationen sind die einzig Zuverlässigen diejenigen, die einfach nicht anders können. So hat es die Philosophin Hannah Arendt einmal geschrieben. Im Blick hatte sie dabei die Zeit des Nationalsozialismus und wie gefährlich es hier oft für Einzelne war, moralisch zu bleiben. Wenn es um Leib und Leben geht, so ihre These, sind diejenigen standhaft, die es schlicht nicht über sich bringen, unethisch zu handeln. Jeremia scheint es in seinem Verhältnis zu Gott ähnlich gegangen zu sein. Dabei hat er wirklich versucht, ein leichteres Leben zu führen. „Ich will nicht mehr an [Gott] denken / und nicht mehr in [Gottes] Namen sprechen.“ Und doch – er kann nicht anders. Und so liegt es nicht an seinem festen Willen, seinem großen Mut oder seiner unerschütterlichen Überzeugung, sondern Jeremia schildert es eher als eine Schwäche. „Ich mühte mich, es auszuhalten“, so schreibt er, „vermochte es aber nicht.“ Wie paradox ist es, so denke ich mir, dass Stärke – ob in der Moral, im Glauben, womöglich in der Liebe – gerade aus der Erfahrung der Schwäche heraus entstehen kann.

 

Gottesdienste am 29./30. August

Samstag, 29. August, 18.00 Uhr: Wortgottesdienst mit Kommunionfeier (Gottesdienstleitung: Astrid Neugebauer, Birgit Weber).

Sonntag, 30. August, 10.30 Uhr: Eucharistiefeier mit Kindergottesdienst (Gottesdienstleitung: Kaplan Thomas Smettan).

 

Kurzfristige Änderungen in der Gottesdienstleitung sind möglich.

Die vollständige Gottesdienstordnung der nächsten Wochen finden Sie auf unserer Internetseite:

 

Anmeldungen zum Gemeindewochenende noch möglich

Wir haben noch Plätze frei und nehmen weiterhin gern Ihre Anmeldung zum Gemeindewochenende von Sankt Familia entgegen! Vom 30. Oktober bis 1. November wollen wir im schönen Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt zusammenkommen. Die Tage der Begegnung und des Austausches vertiefen die Gemeinschaft und helfen, Gemeindemitglieder (besser) kennen zu lernen. Für die Kinder und Jugendlichen wird es altersgemäße Angebote geben, für die Erwachsenen bereiten wir verschiedene Arbeitskreise vor. Bitte melden Sie sich möglichst schnell über das Pfarrbüro an, wenn Sie dabei sein möchten!

 

Samstag, 5. September 2026: Gemeindewanderung auf dem Eco Pfad von Ahnatal nach Niedervellmar

Wir wandern vom Bahnhof Ahnatal-Weimar durch Felder und Wiesen, durch Heckershausen, Obervellmar und den Ahnepark bis zum Friedhof Niedervellmar. Die Strecke ist 9 Kilometer lang. Eine Abkürzung ist möglich. Es ist eine leichte Wanderung ohne nennenswerte Steigungen. Der Eco Pfad gibt uns Informationen zu Geschichte und Natur im Ahnetal. Eine Einkehr ist im Restaurant Ahnepark möglich.
Treffpunkt ist um 10.00 Uhr am Bahnhof Ahnatal-Weimar. Vom Bahnhof Wilhelmshöhe fährt um 9.39 Uhr die RB 4 nach Ahnatal und kommt dort um 9.52 Uhr an.
Leitung: Klaus Wellhäuser.

 

Sonntag, 6. September 2026: Familiengottesdienst mit Brunch und Begrüßung von Kaplan Marcel Krawietz

Am 6. September feiern wir – zum ersten Mal nach den Sommerferien – Familiengottesdienst mit Combo. In diesem Gottesdienst werden wir unseren neuen Kaplan Marcel Krawietz offiziell begrüßen. Außerdem werden die neuen Messdienerinnen und Messdiener, die sich seit ihrer Erstkommunion auf diese neue Aufgabe vorbereitet haben, begrüßt und gesegnet. Im Anschluss ist die ganze Gemeinde herzlich zum Brunch im Alfred-Delp-Haus eingeladen.

Bitte beachten: Die Vorbereitung und Durchführung des Brunchs wird vereinfacht, auch um Hygienevorschriften sicher beachten zu können. Das Miteinander-Reden, der Austausch und einfach das Zusammensein sollen im Vordergrund stehen – natürlich bei Kaffee, Tee, Saftschorle und liebevoll zubereitetem Imbiss.
Daher unsere Bitte: Erst einmal nichts mitbringen! (Ausnahmen wären Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien. Hier bitten wir Betroffene, selbst für ihren Imbiss zu sorgen.) Gerne nehmen wir Rückmeldungen, Ideen oder Anregungen entgegen. Sprechen Sie uns (Melitta Baytaroglu, Jutta Mersch-Müller, Petra Volke-Scheili) an oder schreiben Sie uns über das Pfarrbüro.

 

Einladung zum Bibelteilen

Wir laden herzlich zu den nächsten Terminen zum Bibelteilen ein. Jede und jeder ist willkommen, um sich mit dem Evangelium des jeweils kommenden Sonntags zu beschäftigen und miteinander in den Austausch zu kommen.

Die nächsten Treffen finden am 09.09. und 23.09. statt, jeweils um 19.00 Uhr im Alfred-Delp-Haus. Die Abende werden abwechselnd von Gyde Botsch, Angela Makowski, Bärbel Meyer und Lotte Plotzki angeleitet.

 

Freitag, 25. September 2026: Nacht der offenen Kirchen. WIR SIND BUNT – NA UND!

„Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat – jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe!“ (1. Petrus 4,10, Gute Nachricht Bibel)
Unter diesem Motto wird Sankt Familia an der Nacht der offenen Kirchen am 25. September 2026 teilnehmen. Wir laden die bunte Vielfalt der Menschen aus unserer Gemeinde und aus Kassel herzlich ein, mit uns zu feiern, zu staunen und mitzumachen. Das Programm liegt in der Kirche aus.

Jetzt sind Sie alle gefragt, um zu zeigen, dass unsere Gemeinde mit Leidenschaft an der Vorbereitung dieses Festes mitwirkt. Wir benötigen helfende Hände für den Aufbau am Freitag, dem 25. September, für den Abbau am Samstag, dem 26. September, sowie für die Betreuung während der Nacht der offenen Kirchen von 17.00 Uhr bis 1.00 Uhr nachts. Außerdem freuen wir uns über Sitzsäcke, um eine gemütliche Leseecke einzurichten, sowie über Wiesen- oder Gartenblumen als Tischschmuck. Melden Sie sich gern bei Melitta Baytaroglu, Renate Gallo oder Jacqueline Schwegmann oder auch im Pfarrbüro.

 

„Der Welt ins Gesicht“ – meine Lieder sollen weiter wandern

Ich bin Merle Clasen, Musikerin, und hier in Sankt Familia beheimatet. Viele meiner poetischen geistlichen Lieder sind Sankt Familia vertraut: aus Chorproben und Konzerten von Cantanima, aus besonderen Gottesdiensten, dem Karprojekt oder unserem Gemeinde-Wochenende. Vieles von dem, was ich in Sankt Familia an Gemeinschaft, Freiheit, Suchbewegung und Deutungsoffenheit erlebt habe, ist in diese Lieder eingeflossen.
Nun möchte ich 13 dieser Lieder unter dem Titel „Der Welt ins Gesicht“ auf meinem ersten Album veröffentlichen. Dazu entstehen eine Instrumentalfassung zum Mitsingen und ein Notenheft, damit die Lieder auch dort gesungen werden können, wo ich gerade mal nicht bin: in anderen Chören und Gemeinden oder von Menschen, die solche Orte oder Gruppen nicht aufsuchen. Ich wünsche mir, dass Menschen singen, dass sie Lieder von Lebensmut und Hoffnungskraft in sich tragen und dass sie etwas entdecken, was sie Vertrauen fassen lässt.
Am 26. August startet dafür mein Crowdfunding auf Startnext. Ich freue mich sehr, wenn Menschen aus Sankt Familia diesen Weg begleiten, das Projekt weitererzählen oder unterstützen.
Ihre Merle Clasen

 

Einladung zur Online-Fortbildung: Queere Themen in Schule, Religionsunterricht und Gemeindearbeit

Das Dezernat Religionsunterricht des Bistums Fulda bietet eine vierteilige Workshopreihe im Online-Format an: „Queere Themen im Kontext von Schule, Religionsunterricht und Gemeindearbeit. Eine Fortbildungsreihe für Religionslehrkräfte und pastorale Mitarbeitende.“ Die Workshops sind kostenlos, können einzeln besucht werden und sind offen für alle interessierten Menschen.

 

Dieses Nicht-anders-Können, das Jeremia bei der Stange gehalten hat, sitzt nicht im Intellekt, jedenfalls nicht in dem Teil, in dem es um Kosten und Nutzen geht. Es durchzieht den Körper, Jeremias „Knochen“, sein „brennendes Herz“, in dem gemäß der Bibel das Denken wie die Gefühle sitzen. Jeremia ist „betört“ von Gott, überwältigt wie ein Liebender von seiner großen Liebe. Der französische Theologe und Historiker Michel de Certeau hat diese Haltung „Glaubensschwachheit“ genannt. Diese Glaubensschwachheit erweist sich gerade dort als erstaunlich widerständig, wo sie den Zweifel zulässt, wo die Alternativen vor der Tür stehen – und wie weit offen ist diese Tür heute, wo Traditionen abgebrochen sind, die Umgebung säkular(er) geworden ist und es vielleicht ein wenig verrückt scheint, am Sonntag in die Kirche zu gehen. Doch legt gerade die andere Möglichkeit ein Sehnen frei, das Certeau, ganz ähnlich wie Jeremia, in den Worten eines Liebenden formuliert: „Nicht ohne dich. Nicht ohne!“ Gibt es tatsächlich eine größere Stärke als diese – einfach nicht anders zu können?

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche, und vielleicht offenbaren Ihnen in den nächsten Tagen so manche „andere Möglichkeiten“, wonach sich Ihre „Knochen“ und Ihr „brennendes Herz“ tatsächlich sehnen.

 

Mirja Kutzer im Auftrag des Leitungsteams von Sankt Familia

zum 30. August 2026
22. Sonntag im Jahreskreis

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