308. Gemeindebrief zum 14. Juni 2026

Bild: Christian Schmitt, in: Pfarrbriefservice.de

Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Zorn gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch, ebenso rühmen wir uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.

 

Liebe Gemeinde,

manchmal frage ich mich, wie oft sich Paulus schon im Grab herumgedreht hat angesichts dessen, wie die Passage aus dem Römerbrief (Röm 5, 6-11), die am Sonntag in der Leseordnung steht, im Lauf der Theologiegeschichte verstanden wurde. Man hat sie, so scheint mir, mitunter wie eine Art Zutatenliste gelesen. Man nehme: die Sünde, den Zorn Gottes, den Kreuzestod Jesu, das Blut, die Versöhnung und mixe alles zusammen. Heraus kommt dann das, was man Satisfaktionstheorie genannt hat. Und die geht – mehr oder minder – so: Die von Gott geschaffene Menschheit hat ihre Bestimmung verfehlt und gesündigt. Entsprechend zornig blickt Gott auf sie herab. Denn geschaffen hat Gott die Menschen für das ewige Leben. Die Menschen aber haben gepfuscht und sich statt des Lebens den Tod verdient. Da Gott nun nicht nur zornig, sondern auch gerecht ist, kann er den Menschen die Sünde nicht einfach nachlassen. Sie bedarf der Wiedergutmachung, der Satisfaktion. Damit aber auch wirklich alle Sünden ausgeglichen werden, muss die größtmögliche Wiedergutmachung her. Und so schickt Gott seinen eigenen Sohn. Gott wird Mensch und erleidet so anstelle der Menschen einen grausamen, blutigen, unverdienten Tod, um die Sünden zu tilgen und die Menschen mit Gott wieder zu versöhnen.

Eng verbunden ist diese Satisfaktionstheorie mit dem Namen Anselm von Canterbury, einem Theologen aus dem 11. Jahrhundert. Und so schwierig ich diese Erlösungstheorie auch finde – Anselm selbst ist mir sympathisch: Denn er zeichnet Gott keineswegs als rachsüchtig, sondern als barmherzig. Für Anselm ringt Gott mit den Kategorien von Schuld und Sühne, an die Gott wie ein mittelalterlicher Lehnsherr auch selbst gebunden ist. Gott bleibt schließlich nur die besagte Lösung, um die Menschheit nicht dem ewigen Tod auszuliefern.

Dem Römerbrief entspricht das alles freilich nicht. Denn Paulus ging es gar nicht um Vergehen und Strafe, um äußere Taten und angemessene Wiedergutmachung. Im Blick hatte der Apostel das Innere, das, was man ein wenig pathetisch „Herzensbildung“ nennen könnte: Menschen sollen sich öffnen – für Gott und füreinander. Und weil der Mensch in seiner sagenhaften Fähigkeit zur Selbstzerstörung das aus sich selbst heraus nicht schafft, kommt Gott den Menschen entgegen – in seinem Sohn, bis in die schwärzesten Ecken des Menschseins, bis hin zu Gewalt und Tod. Nicht, um Wiedergutmachung zu leisten, sondern um die Menschen zu berühren – durch Liebe.

 

Gottesdienste am 13./14. Juni

Samstag, 13. Juni, 18.00 Uhr: Gottesdienst für den Frieden (Gottesdienstleitung: Gabriele von Karais, Thomas Reidick; Impuls: Hanna Ruppe).

Sonntag, 14. Juni, 10.30 Uhr: Familiengottesdienst mit Combo (Gottesdienstleitung: Kaplan Thomas Smettan). Im Anschluss werden unsere Messdienerinnen und Messdiener draußen vor der Kirche selbstgebackene Waffeln gegen eine kleine Spende anbieten. Das Brunch-Team sorgt für Getränke. Sie helfen uns sehr, wenn Sie dafür eigene Becher mitbringen. Die eingenommenen Spenden kommen künftigen Aktionen der Messdienergruppe zugute.

Kurzfristige Änderungen in der Gottesdienstleitung sind möglich.

Die vollständige Gottesdienstordnung der nächsten Wochen finden Sie auf unserer Internetseite:

 

Sonntag, 21. Juni 2026: Verabschiedung von Kaplan Daniel Schier

Nach zwei Jahren bei uns in Kassel wird Daniel Schier in diesem Sommer seine nächste Stelle als Kaplan in Bruchköbel antreten. Im Sonntagsgottesdienst am 21. Juni werden wir uns von unserem Kaplan verabschieden und ihm unsere guten Wünsche für seinen weiteren Weg mitgeben. Beim anschließenden Kirchenkaffee besteht für jede/n die Möglichkeit, sich persönlich zu verabschieden.

 

Sonntag, 21. Juni 2026, 19.00 Uhr, Kirche Sankt Familia: SPÜRSINN – Sommerkonzert des Chors CANTANIMA

Unter der Leitung von Dr. Merle Clasen singt der Chor CANTANIMA sein diesjähriges Sommerkonzert SPÜRSINN. In Wort und Klang geht es um Wahrnehmung - ihre Ebenen, ihre Tiefe, menschliche Sinne und die Bereitschaft, sich empfänglich zu machen.

 

Einladung zum Bibelteilen

Wir laden herzlich zu den nächsten Terminen zum Bibelteilen ein. Jede und jeder ist willkommen, um sich mit dem Evangelium des jeweils kommenden Sonntags zu beschäftigen und miteinander in den Austausch zu kommen.

Die nächsten Treffen finden am 17.06. und 01.07. statt, jeweils um 19.00 Uhr im Alfred-Delp-Haus. Die Abende werden abwechselnd von Gyde Botsch, Angela Makowski und Bärbel Meyer angeleitet.

 

30. Oktober bis 1. November 2026, Heiligenstadt: Gemeindewochenende Sankt Familia

Wie alle zwei Jahre laden wir auch im Herbst 2026 die Gemeinde zu einem gemeinsamen Wochenende ein. Dieses Mal geht es in das schöne Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt. Die Tage der Begegnung und des Austausches vertiefen die Gemeinschaft untereinander und helfen, Gemeindemitglieder (besser) kennen zu lernen. Für die Kinder und Jugendlichen wird es altersgemäße Angebote geben, für die Erwachsenen bereiten wir verschiedene Arbeitskreise vor. Es wäre sehr schön, wenn wieder viele Mitglieder unserer Gemeinde diese Tage zu einem Fest der Gemeinschaft werden ließen.
Alle Informationen zum Programm, zu den Kosten und zur Anmeldung (ab sofort möglich!) finden Sie in dem Flyer, der unter der Orgelempore ausliegt ...

 

Freitag, 3. Juli 2026, 17.00 Uhr bis 18.45 Uhr, Alfred-Delp-Haus: „In the summertime“ – Freies Tanzen nach der DanseVita®-Methode

Wir wollen die Sommer- und Ferienzeit begrüßen und Lebensfreude, Genuss und Entspannung tanzen. Es gibt keine vorgegebenen Schrittfolgen, kein Richtig und kein Falsch. Moderate Anleitungen laden zur Wahrnehmung ein, allein, zu zweit oder in der Gruppe. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Tanzlust ist erwünscht. Männer und Frauen jeden Alters sind willkommen. Bitte bequeme Kleidung und weiche, flache Schuhe anhaben und Getränk für den eigenen Bedarf mitbringen. Leitung: Heidemarie Möhle

 

Paulus gibt uns einiges mit auf den Weg: Natürlich brauchen wir Gerechtigkeit. Und Zorn ist oft wirklich angebracht. Doch Menschen öffnen sich durch Liebe. Eine Agenda auch für die großen Zusammenhänge? Für die so unlösbar erscheinenden Konflikte? Jedenfalls für unseren Alltag, und wir könnten klein anfangen: mit Lächeln, mit Zuhören, mit Frustrationstoleranz und all dem, was auch unsere eigenen Herzen offen hält und Versöhnung stiftet.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche mit vielen in diesem Sinne versöhnlichen Begegnungen.

 

Mirja Kutzer im Auftrag des Leitungsteams von Sankt Familia

zum 14. Juni 2026
11. Sonntag im Jahreskreis

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