„Werdet Friede“
„Werdet Friede“, Leitspruch für das Kirchenjahr 2025/2026
Seit 2022 wählen wir für jedes Jahr ein biblisches Wort als geistliches Leitthema für das Kirchenjahr vom 1. Advent bis zum Christkönigssonntag, mit dem die Sonntagsgottesdienste in unserer Gemeinde enden.
2022/2023 war es “Fürchtet euch nicht! Ich bin mit Euch” (Jes 41,10)
Für 2024 hatten wir das Psalmwort gewählt: “Alles was atmet lobe den Herrn, denn Gottes Gegenwart ist in allem und mit allen” (Ps 150). Mehr dazu >>>
Für das Kirchenjahr 2024/2025 hatten das Wort: “Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht! Dein Angesicht, Gott, will ich suchen” (Ps 27,8).
Der geistliche Leitspuch für dieses Jahr lautet:
„Werdet Friede“
Dazu möchte ich einige Gedanken mit euch teilen.
Mit den Worten: „Der Friede sei mit euch allen“! begrüßte der neugewählte Papst Leo XIV. die Menschen auf dem Petersplatz und überall auf der Welt. Er stellte damit, in diesen krisen- und kriegszerütteten Zeiten, die Botschaft des Friedens, die Jesus Christus uns zuspricht, an den Anfang seines Pontifikats und erinnert daran, dass Friede im eigenen Herzen beginnt.
Und wenn uns der Priester mit den Worten: Gehet hin in Frieden, aus dem Gottesdienst entlässt, ist damit unser innerer Friede gemeint.
Doch kehren wir wirklich in Frieden in unseren Alltag zurück? In Frieden mit uns? In Frieden mit anderen? Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns den Frieden zwar sehnlichst wünschen, uns jedoch immer wieder in Konflikte verstricken, verstricken lassen, die unsere ganze Energie aufsaugen. Konflikte beherrschen Gefühle, Gedanken, Handlungen, sie beherrschen den ganzen Menschen. Sie zerstören Lebensenergie und auch Lebenszeit.
Halten wir doch kurz einmal inne, um nachzudenken, was raubt mir im Alltag den Seelenfrieden?
Doch muss es so weit kommen? Bin ich nicht selbst dafür verantwortlich, wenn ich mich um meinen Seelenfrieden bringen lasse, weil ich auf Verhaltensweisen anderer mit Aggressivität reagiere? Weil ich mich von meinen negativen Gefühlen überwältigen lasse. Bringe ich so nicht erst den Unfrieden in mich und in die Welt hinein?
Was müsste also geschehen, damit ich in meinem Herzen den ersehnten Frieden finde oder wiederfinde, selbst dann, wenn sich meine Mitwelt noch immer im Aggressionsmodus befindet?
Im Psalm 120, der Inspiration war für den diesjährigen geistlichen Jahresspruch, steht der Beter genau an diesem Punkt seines Lebens. Er erkennt, dass seine Energie vollkommen eins geworden ist mit dem Konflikt in ihm und um ihn herum und er aufgerieben und zerrissen wird zwischen all dem Hader und Streit. Er erkennt, dass nicht mehr er über sein Leben bestimmt, sondern seine negativen Emotionen.
Er will aus diesem Teufelskreis heraus und wendet sich an Gott. Er bittet um seine Rettung und bekennt vor Gott und sich: „Ich muss schon allzulange wohnen bei denen, die den Frieden hassen.“
Er will seinen Seelenfrieden zurück, will sich selbst wiederfinden. Diese Sehnsucht führt ihn zu Gott. Im Gebet, in der Stille sucht er Hilfe. Und hier erfährt er die Wandlung, die ihn aus dem Selbstmitleid und der Wut, in der er gefangen ist, herausführt und ihn wieder mit dem Göttlichen in ihm in Verbindung bringt.
Der Beter im Psalm 120 bekennt, nachdem er mit Gottes Hilfe seinen inneren Frieden wiedergefunden hat: „Ich bin Friede.“ Der Unfriede der anderen kann ihn nicht mehr erreichen.
Wahrer Friede beginnt immer bei mir selbst. Nur wenn ich meinen Frieden gefunden habe, wenn ich mit mir und in mir versöhnt lebe, so schwer das auch fallen mag, weil es immer wieder neu errungen werden muss, kann ich so zum Guten in die Welt hineinwirken.
Deshalb haben wir diese Botschaft, dass Friede zuerst im eigenen Herzen gelebt werden muss, zum geistlichen Leitgedanken für dieses Kirchenjahr gewählt und uns für den Spruch entschieden:
„Werdet Friede“
Gottesdienste für den Frieden
Diesen Friedensgedanken wollen wir im Laufe dieses Kirchenjahres immer wieder stärken, denn es fällt oft schwer, mit sich selbst in Frieden zu sein. Zu vieles stürzt von außen auf uns ein und macht Angst. Auch die eigenen Schattenseiten sorgen für Unfrieden. Deshalb feiern wir einmal im Monat, anstelle eines Vorabendgottesdienstes, einen Gottesdienst für den Frieden. Es ist ein leiser, ein besinnlicher Gottesdienst, vorwiegend mit Taizé-Liedern, in dem Bitten um den eigenen und den Frieden in der Welt einen besonderen Raum einnehmen.
Nächste Termine: 07. Februar / 14. März / jeweils 17.00 Uhr
Außerdem wird unsere Josefskapelle für ein Jahr zu einer Friedenskapelle. Das Friedenslicht aus Bethlehem, das dort immer brennt, macht sie zu einem besonderen Ort des Gebets um Frieden. Eine Wand der Kapelle symbolisiert die Klagemauer. Hier können in die Ritzen zwischen den Steinen Fürbitten gesteckt werden. Außerdem liegt ein Buch bereit, in das Gedanken, Ängste, Hoffnungen niedergeschrieben werden können.
Jeder Gottesdienst in Sankt Familia endet mit den Sätzen:
Gehet hin und werdet Friede!
Amen.
Dazu seid ihr gesendet!
Dank sei Gott dem Herrn.
Gabriele von Karais
(Beauftragte für Verkündigung)