295. Gemeindebrief zum 15. März 2026
Liebe Gemeinde,
ist Feindschaft die andere Seite von Identität? Die Erzählung von der Heilung eines Blindgeborenen (Joh 9, 1-41) ist hier wie ein Lehrstück. Jesus heilt einen Jungen, der blind auf die Welt gekommen ist. Er tut dies an einem Sabbat, also an dem Tag, der für gläubige Juden und Jüdinnen ein strikter Ruhetag ist – wobei auch schon zur Zeit der Abfassung des Textes differenziert diskutiert wurde, wie Ruhegebot und gesundheitliche Notwendigkeiten übereinkommen können. Anhand von beidem – der Heilung selbst sowie der Heilung am Sabbat – entfaltet der Text den grundsätzlichen und unerbittlichen Antagonismus, der für das Johannesevangelium so typisch ist. Da sind die einen, nicht zuletzt diejenigen, für die der Text gedacht ist. Für sie ist die Heilung untrügliches Zeichen, dass Jesus der Messias, der Christus ist. Sie stören sich nicht an der Heilung am Sabbat. Und da sind die anderen, die der Text als „iudaioi“ oder Pharisäer benennt. Das Zeichen der Heilung erkennen sie nicht. Dass Jesus am Sabbat heilt, ist für sie Sünde. Sie reagieren feindselig. Komplexe Konflikte aus der Entstehungszeit des Textes um 100 nach Chr. mögen dabei anklingen. Die „iudaioi“ in Joh 9 aber bezeichnen keine historische Gruppe. Sie dienen im Text vor allem als „die Anderen“. Am Ende steht Glaube gegen Unglaube, Licht gegen Finsternis, Gut gegen Böse. „Die“ Juden werden so zur Chiffre für das Andere der christlichen Identität. Und Texte wie dieser wurden zu Wegbereitern eines christlichen Antisemitismus mit seinen verheerenden Auswirkungen über die Jahrhunderte hinweg.
Wie lässt sich diesem Antisemitismus begegnen, der sich schon in die Texte des Neuen Testaments eingeschrieben hat? Mit viel theologischer Forschung, die nach den geschichtlichen Gemengelagen sucht, in denen die Texte entstanden sind, ihre Eigenarten in den Blick nimmt und ihre Wirkungsgeschichte hinterfragt. Aber auch mit der kritischen Frage an uns selbst, an eigene christliche Identität. Sind wir als Christgläubige tatsächlich darauf angewiesen, uns abzusetzen von denen, die eben nicht an Christus glauben? Oder begreifen wir uns in der Bindung an Christus auf einer großen Suche – nach Sinn, nach Erlösung, nach Gott –, die wir mit anderen, die wir mit Juden und Jüdinnen teilen? Wir bleiben immer auf dem Weg – so könnte man es auch und gerade mit dem jüdischen Wanderradikalen aus Galiläa sagen, den die Kirche als Christus bekennt.
Gottesdienste am 6./7./8. März
Freitag, 6. März, 18.00 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst zum Weltgebetstag, anschließend herzliche Einladung zum Zusammensein im Alfred-Delp-Haus.
Samstag, 7. März, 17.00 Uhr: Vorabendgottesdienst (Gottesdienstleitung: Pfarrer André Lemmer).
Sonntag, 8. März, 10.30 Uhr: Eucharistiefeier mit Kindergottesdienst (Gottesdienstleitung: Pfarrer André Lemmer).
Kurzfristige Änderungen in der Gottesdienstleitung sind möglich.
Die vollständige Gottesdienstordnung der nächsten Wochen finden Sie auf unserer Internetseite:
15.03. > 3. Fastenpredigt in Sankt Familia
Thema der diesjährigen Fastenpredigten in Sankt Familia sind die verschiedenen Facetten von „Gerechtigkeit”. Am 15.03.2026 predigt Dr. Christine Fuchsloch, die Präsidentin des Bundessozialgerichts. Das Thema: „Ist Gerechtigkeit verhandelbar?” Herzliche Einladung!
Neu in Sankt Familia: Team Seelsorge
Wer wir sind:
Auf Initiative des Pfarrgemeinderats und auf Anregungen aus der Gemeinde hin hat sich das Team Seelsorge neu gegründet. Wir sind Mitglieder des PGR und engagierte und fachlich kompetente Mitglieder der Gemeinde. Unser Anliegen ist, dass es ein breites und niedrigschwelliges Angebot für seelsorgliche Gespräche gibt.
Unser Angebot:
Im Leben können Fragen nach dem persönlichen Glauben, nach dem Lebenssinn, nach Spiritualität, Religion, Kirche auftreten. Wenn Sie selbst niemanden kennen, an den oder an die Sie sich wenden können, kann vielleicht Sankt Familia Ihnen einen Kontakt vermitteln. Wir ermöglichen Ihnen gern ein Gespräch mit einem Priester oder einer erfahrenen Person, die zum Team Seelsorge gehört.
Kontakt:
In der Kirche auf den Tischen unter der Orgelempore liegen Karten aus. Werfen Sie einfach das entsprechende Formular mit Ihrem Namen, Telefonnummer etc. in den Briefkasten des Pfarrbüros. Sie werden innerhalb von zwei Wochen kontaktiert.
16.05. > Busfahrt zum Katholikentag nach Würzburg
Die Katholikentage gehören zu den größten regelmäßig stattfindenden Ereignissen des kirchlichen Lebens in Deutschland. Zehntausende Menschen treffen sich vom 13. bis 17. Mai 2026 beim 104. Katholikentag in Würzburg. Die Pfarrei Sankt Elisabeth bietet für alle Interessierten am 16. Mai eine Tages-Busfahrt zum Katholikentag an.
Abfahrt ist um 6.30 Uhr vor der Kirche St. Bonifatius, Rückkehr nach Kassel abends gegen 21.30 Uhr. Bistum und Pfarrei bezuschussen die Fahrt: Es bleiben 55 Euro Eigenanteil pro Person, Jugendliche unter 25 Jahren zahlen 35 Euro. Darin enthalten sind Busfahrt, Tagesticket und Fahrschein für Bus und Bahn in Würzburg. Anmeldung bis zum 16. März an: pfarrei.elisabeth-ks@bistum-fulda.de
Die Teilnahme an einem von Marcus Leitschuh erarbeiteten Programm ist ebenso möglich wie die freie Tagesgestaltung.
Reiseleitung: Kaplan Thomas Smettan und Georg Klein.
21.03. > Kleidersammlung "Aktion EINE WELT"
Gesammelt werden gut erhaltene, saubere Kleidung, Schuhe (bitte paarweise gebündelt), Heimtextilien, Lederwaren und Stoffspielwaren. Die Kleidung kann wochentags tagsüber im Kolpinghaus (Die Freiheit 2, Kassel) abgegeben werden. Kleidersäcke sind in unserer Kirche und im Kolpinghaus erhältlich, Sie können aber auch eigene Säcke verwenden. Kurz vor dem Sammeltermin (bis zum Freitagabend, 20. März) können Sie die Kleiderspenden auch gut verpackt vor dem Alfred-Delp-Haus ablegen. Am Samstag, 21. März wird dann alles abgeholt.
22.03. > Gemeindeversammlung Sankt Familia
Wir möchten Sie herzlich zur Gemeindeversammlung von Sankt Familia einladen. Nach dem Sonntagsgottesdienst am 22. März kommen wir für ca. 1 Stunde im Alfred-Delp-Haus zusammen, um bei einer Tasse Kaffee über Themen ins Gespräch zu kommen, die unsere Gemeinde aktuell bewegen. Bitte merken Sie sich den Termin vor!
„Kreuzpunkte – Ein virtueller Kreuzweg“
Der virtuelle Kreuzweg ist ein ökumenisches Projekt, an dem sich Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden, auch aus Sankt Familia, und diakonischen Einrichtungen beteiligt haben. In 15 Kurzvideos werden die universellen Themen des Kreuzwegs aufgegriffen, die auch heute noch Relevanz haben: das Annehmen von Lasten und Leid, Verurteilung und Ungerechtigkeit, das Miteinander-Weinen und Trauern, aber auch das gegenseitige Beistehen und Trösten.
Diese spirituelle Begleitung durch die Fastenzeit ist unter www.kreuzpunkte.de abrufbar.
Aufruf der Kirchen in Hessen zur Teilnahme an den Kommunalwahlen
Anlässlich der Kommunalwahlen am 15. März rufen die Kirchen in Hessen, vertreten durch Bischof Dr. Michael Gerber und Bischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann, alle Wahlberechtigten dazu auf, Gebrauch von ihrem Wahlrecht zu machen und mit ihrer Wahlentscheidung für Demokratie und Menschenwürde einzustehen. Diesem Aufruf schließen wir als Kirchengemeinde Sankt Familia uns an.
Digitale Fastengespräche 2026
Die Geistliche Prozessbegleitung des Bistums Fulda lädt auch in diesem Jahr zu Fastengesprächen im digitalen Format ein. Ein biblischer Impuls wird in Gesprächen in Kleingruppen und im Plenum mit den Impulsgebern vertieft.
Termine und weitere Informationen
Anmeldung zur Gemeindefahrt ins Münsterland, 25.-28. August 2026
Bitte denken Sie an Ihre Anmeldung bis zum 1. April über das Pfarrbüro! In diesem Jahr führt uns die Gemeindefahrt nach Rheine-Bentlage im nördlichen Münsterland.
Identität ist wichtig für unser Leben. Wir müssen eine Idee davon haben, wer wir sind, um nicht jeden Tag alles von vorn zu erfinden, damit wir nicht jede Entscheidung neu treffen müssen. Wir sollten eine Antwort geben können auf die Frage, die Menschen unserer Umgebung – indirekt – an uns stellen: „Wer bist du, dass ich mich auf dich verlasse?“
Doch Identität wird dann zur Falle, wenn wir uns krampfhaft daran festhalten. Wenn sie aus der Abgrenzung lebt. Wenn sie keine Begegnungen mehr zulässt und sich dem Leben verschließt. Identität kann eine Todesform werden. Jesus dagegen wünscht uns das Leben in Fülle. Und dies bedeutet auch, eigene Identität immer wieder aufs Spiel zu setzen; Neues zu lernen; andere in ihren Eigenarten, Überzeugungen, Sehnsüchten und Verletzlichkeiten wahrzunehmen; sich selbst mit Humor zu betrachten und uns in aller Sanftmut gegenüber uns selbst auch immer wieder zu verändern. Nur wenn Identitäten wandelbar sind, bleiben wir lebendig und bei uns selbst.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit vielen Chancen, der eigenen Identität mit einem Lächeln zu begegnen.
Mirja Kutzer im Auftrag des Leitungsteams von Sankt Familia
zum 15. März 2026, 4. Fastensonntag
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Besondere Bücher in Sankt Familia: Einladung zum Mitgestalten
Erinnerungsbuch
Wir haben in unserer Gemeinde ein “Erinnerungsbuch” eingeführt, das an die Verstorbenen aus unserer Gemeinde erinnern soll.
Wir laden Sie ein, selber ein Blatt für dieses Erinnerungsbuch für Ihre Verstorbenen zu gestalten, die in irgendeiner Weise mit unserer Gemeinde verbunden waren.
Die Gestaltung dieser Seite (ein DIN A 4 Blatt) kann in einer freien Weise erfolgen. Es sollten
- die Lebensdaten (Geburt, Tod),
- vielleicht ein Bild, ein Erinnerungswort zu sehen sein.
Geben Sie dieses Blatt bitte in der Sakristei oder im Pfarrbüro ab. Wir werden es dann in das Erinnerungsbuch einfügen. An dem jeweiligen Todesdatum wird das Blatt aufgeschlagen und zum Erinnern und Gebet einladen.
An den jeweiligen Sonntagen erinnern wir beim Todesgedenken der Verstorbenen, die in diesem Buch benannt sind.
Das Evangelienbuch von Sankt Familia
In unserer Gemeinde geben wir nach dem Sonntagsgottesdienst seit vielen Jahren das Evangelienbuch einer Person oder einer Familie mit, die dann den Text des Evangeliums für den kommenden Sonntag in das Buch schreibt.
Am Anfang des Kirchenjahres ist das Buch zunächst ganz leer und Woche für Woche füllt es sich mit dem jeweiligen Sonntagsevangelium. Jeder, jede Person, jede Familie schreibt, malt, gestaltet nach eigenen Ideen. Dadurch entstehen jeweils Seiten, die ganz unterschiedlich aussehen.
In den nächsten Wochen legen wir einige Evangelienbücher der vergangenen Jahre unter der Orgelempore auf die Tische zum Anschauen aus.
Schön, wenn Sie sich entscheiden, das aktuelle Evangeliar, aus dem wir im Moment das Evangelium vorlesen, mit dem Text für den kommenden Sonntag am Ende eines Gottesdienstes mal mitzunehmen und das Evangelium des nächsten Sonntags reinzuschreiben. Das “Wort Gottes” ist dann eine Woche bei Ihnen “beheimatet” und kommt aus Ihrer Lebenswirklichkeit zurück in unsere Gemeinde. Was für ein schönes Zeichen!
Sie können sich gern im Pfarrbüro melden, wenn Sie das Evangelium an einem bestimmten Sonntag mitnehmen wollen. Sie können sich aber auch gern spontan erst jeweils am Ende eines Gottesdienstes melden.